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    Betreutes Proggen
    Du bist hier:Home»#Teapot of the week»Steven Wilson - Hand. Cannot. Erase.

    Steven Wilson - Hand. Cannot. Erase.

    0
    By Klaus Reckert on 1. März 2015 #Teapot of the week, Reviews

    Hand. Cannot. Erase(66:09, CD+DVD, Kscope/edel, 27.02.2015)

    Ears. Cannot. Believe.
    Der Nachfolger des in Deutschland sogar hoch in die Charts geflogenen "The Raven That Refused To Sing" enthält begeisternde Musik, teils sogar kaum glaublich schöne! Wenn man sich erstmal damit abgefunden hat, dass "H. C. E." tendenziell weniger Jazzrock-Gefreake ('Ancestral') und mehr eingängige Pop-Perlen ('Routine') als die beiden Vorläufer enthält, ergibt sich das Bild eines topmodernen Konsenswerkes, welches elegant die Balance zwischen Anspruch und Eingängigkeit hält. Für alle, außer natürlich den armen Willis, die sich jetzt beeilen, ihren früheren Porcupine Tree-Helden Wilson als "Ausverkäufer" zu dissen, weil ihm (völlig integer, wie wir finden) nun der offensichtliche breite Durchbruch gelungen ist.

    Das in identisch gebliebener Besetzung aufgenommene Konzeptalbum greift die tatsächlich so geschehene Geschichte von Joyce Carol Vincent auf – einer attraktiven jungen Frau, die erst drei Jahre nach ihrem Tod in ihrem Londoner Appartement aufgefunden wurde. Die Dokumentation "Dreams Of A Life" setzte bei Steven den Samen für seine Auseinandersetzung mit der Frage, wie so etwas möglich ist. Wohlgemerkt: Joyce war nicht vereinsamt, schrullig, steinalt – im Gegenteil. Und dennoch hat sie jahrelang niemand vermisst… Dieses bestürzende Konzept wird grandios vertont und meisterlich umgesetzt – bis hin zu Lasse Hoiles Fotografie und Artwork. Details dazu erläuterte uns Steven im Interview.

    Teapot of the Week
    "Teapot of the Week" auf Betreutes Proggen in der KW9

    Zurück zur Musik – wie es Robert Kril, Musikprofi und langjähriger Wilson-Kenner nach einer statt mit Schlaf mit "H. C. E." verbrachten Nacht so prägnant sagte: "Was ich bei Wilson so mag, ist, wenn er sich den Humor gönnt, einfach mal das raushängen zu lassen, woher er kommt. Auf '3 Years Older' passiert das alles: Pete Townshend - Genesis - Crosby, Stills & Nash... - alles nur in kleinen Momenten, und auch eben insgesamt Wilson!"

    Tatsächlich ist es aufgrund des Zaubers dieses Albums und der Existenz von Repeat-Tasten keine ganz triviale Aufgabe, überhaupt je über Songs wie '3 Years Older' oder - wenn das gelungen ist - über das zauberhafte 'Routine' hinaus zu kommen, das der Sängerin Ninet Tayeb ähnlich viel verdankt, wie einem zwölfköpfigen Knabenchor. Nicht, dass es sich nicht lohnen würde, sich "durchzukämpfen". Man denke allein schon an Adam Holzmans triumphales Rhodes-Spiel auf beispielsweise "Home Invasion", Theo Travis' märchenhafte Flötentöne und VdGG-Alarm auf 'Ancestral' oder Guthrie Govans majestätische Gitarrenarbeit auf 'Happy Returns'! Aber wie gesagt, Ohren und Geist bleiben hier ohnehin ständig an irgendetwas Unglaublichem "hängen". Und so dauern diese 66 Minuten typischerweise drei bis vier Stunden, ein Phänomen, dessen Erforschung unter dem Namen "Wilson-Paradox" noch aussteht.
    Bewertung: 14/15 Punkten (KB 15, WE 14, FF 15, DH 14, AI 14, HK 14, JM 15, KR 14, KS 14)

    PS: Inzwischen erreichte uns auch die "Limited Edition", die mit einem üppig bebilderten, 24-seitigen Booklet (und im Falle von z. B. "Perfect Life" die Textebene bildlich deutlich unterlegend - hier mit Bildern gemeinsam mit der gefundenen und schnell wieder verlorenen Adoptiv-Schwester) punktet. Sowie natürlich mit der beigefügten DVD. Diese bietet neben mit wunderbaren Visualisierungen versehenen Audio-Versionen des Albums in DTS 96/24 5.1 Surround und 96/24 Stereo LPCM (beide sind geeignet, die Beziehungen zu den lieben Nachbarn zu, hm, intensivieren..) auch die bereits auszugsweise von YouTube bekannte, besonders sehenswerte (Air) "Studio Documentary" sowie eine attraktive Photogallery, die allerdings keine Tonspur aufweist und - zumindest auf dem uns zur Verfügung stehenden Player - nicht selbsttätig abläuft, sondern von Bild zu Bild "weitergeklickt" werden muss.

    PPS: Das Album ist gekauft? Wurde womöglich gar vom Meister signiert? Dann hin zum (übrigens bestuhlten) Konzert, jedenfalls soweit noch Tickets verfügbar sind:
    20.03. Köln, E-Werk - ausverkauft!
    21.03. Luxembourg (LUX), Rockhal
    22.03. Stuttgart, Theaterhaus - ausverkauft
    24.03. Utrecht (NL), TivoliVredenburg
    26.03. Antwerpen (B), Trix
    28.03. Neu Isenburg (Frankfurt/M.), Hugenottenhalle - ausverkauft!
    29.03. Pratteln (CH), Konzerfabrik Z7
    02.04. München, Kongresshalle - ausverkauft!
    04.04. Wien (A), Ottakringer Brauerei
    09.04. Berlin, Columbiahalle 10.04. Hamburg, CCH2
    23.04. Zwolle (NL), Hedon

    PPPS - H.C.E. hören:
    Album teaser
    "Routine" (YouTube)
    "Hand Cannot Erase" (YouTube, w/ lyrics)
    "Ancestral" (YouTube)
    "Home Invasion" (YouTube)

    PPPPS - H.C.E.-Links:
    handcannoterase.com
    swhq.co.uk
    facebook.com/StevenWilsonHQ

    PPPPPS - Nachtrag 18.03.15:
    Meinereiner hört das Album jetzt seit der Interview-Vorbereitung im letzten Dezember immer mal wieder, immer gerne. Was aktuell am meisten begeistert, ist die Dynamik. Im Gegensatz zum von Standard-Kompression gemeuchelten Sound der Durchschnitts-Veröffentlichung 2015 ist "H. C. E." diesbezüglich eine Offenbarung. Hört Euch vielleicht beispielsweise 'Routine' unter guten Kopfhörern daraufhin noch einmal an...

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